FDP Emsland-Süd

Pressemitteilungen vom 29.03.2017:

Streit um Platz an Friedensschule in Lingen

Lingener Tagespost - Lokales

Die Lingener Friedensschule bekommt zwei zusätzliche Räume in einem Doppelcontainer. Dies hat der Schulausschuss der Stadt auf einer Sondersitzung beschlossen.

Von Wilfried Roggendorf

Einigkeit herrschte im Schulausschuss darüber, dass die Raumsituation an der ursprünglich für 34 Klassen konzipierten Friedensschule sowohl kurz- als auch mittelfristig verbessert werden müsse. Doch wie? An dieser Frage schieden sich, was eine kurzfristige Lösung angeht, die Geister. Die CDU unterstützte den Vorschlag der Verwaltung, zunächst einen Doppelcontainer mit zwei Räumen aufzustellen.

Christdemokrat Jürgen Herbrüggen beantragte, dass zunächst zwei zusätzliche Räume geschaffen werden sollten. „Die Verwaltung soll bis zur Schulausschutzsitzung am 8. Juni ein vernünftiges Konzept erstellen, wie es dann weitergeht mit den zusätzlichen Bedarfen“, sagte Herbrüggen. Allerdings habe er selbst Bauchschmerzen dabei, ob diese zwei Räume reichen würden. Herbrüggen schlug vor, mit der Anschaffung weiterer Container zu warten, bis Ende April die konkreten Anmeldezahlen an der Friedensschule für das nächste Schuljahr vorliegen würden. CDU-Fraktionsvorsitzender Uwe Hilling sagte zu, dass die Friedensschule nach den Sommerferien angemessen ausgestattet sein werde. Die CDU werde zudem mit „großem Wohlwollen“ an eine mittelfristige Lösung, auch für den Ganztagesbereich, herangehen.

Den CDU-Antrag empfanden Vertreter der anderen Parteien, der Lehrer und der Schüler als nicht ausreichend. Sie sprachen sich dafür aus, sofort vier zusätzliche Räume mittels Containerlösung zu schaffen. „Jetzt abzuwarten ist ein falsches Signal an Lehrer, Eltern und Schüler“, erklärte SPD-Ratsdame Susanne Janßen. Ihr Fraktionskollege Hermann-Otto Wiegmann erklärte, für Eltern, die ihre Kinder jetzt bei einer weiterführenden Schule anmelden würden, sei die Schaffung von nur zwei weiteren Räumen ebenfalls das falsche Signal. „Ich befürchte, dass wir wegen fehlender Anmeldezahlen dann selbst zwei Räume nicht mehr brauchen“, sagte der Sozialdemokrat.

Jens Beeck (FDP) beantragte, direkt vier zusätzliche Räume zu schaffen. „Es geht darum, ob wir die Qualität des Unterrichts erhalten wollen“, sagte der Liberale. Er verwies darauf, dass die einzig verbliebene weiterführende Schule in Trägerschaft der Stadt Lingen ebenso gut ausgestattet sein müsse, wie die Schulen in privater Trägerschaft. Sabine Stüting von den Bürgernahen meinte, dass der Beschluss, vier Räume zu schaffen, niemanden daran hindern würde, eine langfristige Lösung für die Raumprobleme der Friedensschule zu finden.

Acht bis zehn Wochen

Lingens Erster Stadtrat Stefan Altmeppen erklärte, dass die Aufstellung eines Doppelcontainers mit zwei Räumen 15 000 Euro und rund 1500 Euro Monatsmiete kosten werde. Bis zur Aufstellung würden nach einem noch vom Verwaltungsausschuss der Stadt zu bestätigendem Beschluss rund acht bis zehn Wochen vergehen. Er sprach sich dafür aus, zunächst zwei Räume zu beschließen und mit weiteren Maßnahmen bis zur nächsten Sitzung Anfang Juni zu warten. „Dann haben wir immer noch acht Wochen Zeit bis zum Beginn des nächsten Schuljahres“, sagte der Erste Stadtrat.

Während mit FDP, SPD, Bürgernahen und Schülervertreter Niklas Kretschmann sowie Lehrervertreterin Magdalena Voß sechs Ausschussmitglieder für die sofortige Schaffung von vier Räumen stimmten, lehnten die sechs CDU-Mitglieder und Elternvertreterin Karin Funke-Rapp dies mit knapper Mehrheit ab. Einstimmig angenommen wurde danach der CDU-Antrag, zunächst zwei zusätzliche Räume an der Friedensschule zu schaffen. An der Sondersitzung des Schulausschusses nahm kein Vertreter der Grünen teil.


Viele neue Aufgaben
Raumbedarf der Friedensschule steigt


wrog Lingen. Schulleiterin Ulla Maaß-Brüggemann hat den Schulausschussmitgliedern erläutert, wie die Raumnot an der Friedensschule entstanden ist und welche Anstrengungen die Schule in den letzten Jahren unternommen hat, um dieser zu begegnen.

„Raum ist nicht nur da, um Schüler unterzubringen, sondern, damit Schüler sich entwickeln können“, betonte Maaß-Brüggemann. Die Schulleiterin wies in ihrer unter dem Motto „Raum zur Entfaltung geben“ stehenden Präsentation darauf hin, dass durch Ganztagsschule, Inklusion und Integration viele neue Aufgaben auf die Schule zugekommen seien.

Bevor sie sich an die Stadt gewendet habe, hätte die Schule versucht, durch den Verzicht beispielsweise auf den Religionsraum, den Fachraum Französisch oder den Religionsraum, der auch für Andachten genutzt worden wäre, der Probleme Herr zu werden. Anfang des Schuljahres 2016/2017 habe dann die Verwaltung durch die Abschaffung weiterer Räume, unter anderem eines Lagerraums für Musikinstrumente, mehr Platz für Klassen- und Inklusionsräume geschaffen.

Maaß-Brüggemann forderte vier zusätzliche Räume. „Wenn der Raum knapp wird, bedeutet dies für die Schüler weniger Entwicklungsmöglichkeiten, weniger Angebote und schlechtere Startchancen“, sagte die Schulleiterin. Sie fügte hinzu: „Es hilft den Schülern von heute nichts, wenn sich die Situation in vier Jahren verbessert.“ Die Verwaltung habe vorgeschlagen, bei einem weiteren Anstieg der Klassenzahl von derzeit 36, Container aufzustellen. „Das bedeutet, dass die aktuelle Situation als ausreichend angesehen wird. Das ist falsch“, erklärte die Schulleiterin.


Klares Signal für Friedensschule wünschenswert

KOMMENTAR
Von Wilfried Roggendorf

Die Lingener Friedensschule kämpft seit Jahren gegen Raumprobleme. Hier ein Fachraum weniger, dort den Raum für eine Schülerfirma verschoben – die Liste der Raumnot lässt sich beliebig verlängern – auch um den Punkt, dass an einigen Wochentagen Schüler an Tischtennisplatten ihr Mittagessen einnehmen, weil der Raum der Mensa nicht ausreicht.

Es ist Schulleiterin Ulla Maaß-Brüggemann hoch anzurechnen, dass sie versucht hat, die Raumprobleme zunächst intern zu lösen, und erst jetzt, als nichts mehr ging, an die Stadt als Schulträger heranzutreten.

Dass dringender Handlungsbedarf besteht, ist in der Lingener Politik fraktionsübergreifend unstrittig. Doch die CDU-Mehrheitsfraktion setzt ausgerechnet zu einer Zeit, in der es um die Anmeldungen zu weiterführenden Schulen geht, mit ihrem Votum für zwei statt vier neuer Räume ein falsches Signal. Das richtige Signal hätte die Elternvertreterin im Ausschuss setzen können. Das hat sie bei der Abstimmung mit ihrer Stimme verhindert, ohne ihre Entscheidung vorher näher zu begründen.

Das Versprechen der CDU, die Friedensschule werde zu Beginn des neuen Schuljahres angemessen ausgestattet sein, ist sicherlich ehrlich gemeint. Doch klingt diese Aussage auch in den Ohren der Eltern von Viertklässlern glaubhaft, die sich jetzt entscheiden müssen, auf welche weiterführende Schule sie ihre Kinder schicken? Ein klares Bekenntnis zu Fachräumen, Raum für Inklusion und Integration hört sich anders an.

Ein Absinken der Anmeldezahlen an der Friedensschule ist dennoch nicht zu erwarten. Eltern, deren Kinder aufgrund der Aufnahmebeschränkungen der Gesamtschule Emsland und der konfessionellen Marienschule dort nicht angenommen werden, bleibt ja nichts anderes übrig, als ihre Kinder an der Friedensschule anzumelden.

Aber nicht dies darf der Grund für Anmeldungen sein, sondern die Qualität der Schule. Dafür braucht sie Raum, um sich entfalten zu können – umgehend.
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